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Tastingnotes & Whiskyblog

Aultmore

Aultmore - 1895 bis heute

Aultmore ist auch so eine Brennerei, die mitten im Boom der 1890s gebaut wurde - um kurze Zeit später mitten im Pattison-Crash einer Überproduktion gegenüberzustehen. Gegründet wurde sie von Alexander Edward, der damals schon Benrinnes betrieb. 1899 ging sie in den Besitz von Pattison über, im gleichen Jahr ging das Unternehmen bankrott und Aultmore wurde eingemottet, 1904 eröffnete sie wieder. Wegen der anhaltenden Getreideknappheit kam es während des ersten Weltkrieges erneut zur Stilllegung. In den 1920er Jahren kam die Brennerei dann über Dewar's zu DCL.

Immerhin hat Aultmore die ganzen Krisen überlebt...na ja... zumindest der Name, denn von der ursprünglichen Brennerei ist jetzt nicht mehr so viel übrig. Zwischen 1968 und 1971 wurde die Brennerei grundlegend modernisiert, diese Bauphase glich aber eher einem Abriss und Neubau, was gleich in den Fotos gut zu sehen. Für eine Zeichnung von Alfred Barnard ist Aultmore leider noch zu jung, die frühesten Bilder sind aus den Jahren 1923/1924. Und daher springen wir in der Zeit jetzt noch einmal zurück.

Um den Stand von 1924 noch einmal komplett zu machen: Damals kam die Gerste überwiegend mit dem Zug aus Aberdeenshire, die Brennerei halt selber das Getreide gesiebt, gemälzt und anschließend eingelagert, gemahlen wurde mit einer Zweiwalzenmühle der Firma Day & Co. Aultmore soll für damalige Verhältnisse eine sehr große Produktionskapazität gehabt haben, der Bericht von 1924 spricht von wöchentlich 1750 "Bushel Malt", das lässt sich am besten in Liter und anschließend das Volumen in Gewicht umrechnen.... ein UK- Bushel Gerstenmalz (36,37 Liter) soll laut der KI ungefähr 15,42 Kilogramm wiegen, das wären dann knapp 27 Tonnen jede Woche. Ob die Berechnung korrekt ist und die Produktionsmenge realistisch, keine Ahnung. Zumindest gab es auf Grund der Menge ein eigenes Förderband, welches die Getreide-und Produktionsabfälle (u.a. Treber) zurück zum Gleisanschluss transportierte. Auch die beiden Stills werden als außergewöhnlich groß beschrieben, die Wash wird mit 5.000 Galonen und die Spirit mit 4.000 Galonen angeben. Die Lagerhäuser hatten Platz für insgesamt 750.000 Gallonen unverzollten Whisky, also etwas mehr als 3,4 Millionen Liter, was wiederum 6.800 Sherry-Butts wären...

Die folgenden drei Bilder sind aus dem Werke "The Distilleries of Great Britain and Ireland", British Library, zuletzt im Reprint von James Eadie veröffentlicht. Ich verwende die Bilder, da sie nach UK-Recht mittlerweile gemeinfrei sind.

Auf einer Aufnahme sieht man den namensgebenden Bach, denn Aultmore kommt von An t-Allt Mòr, was soviel viel wie "große Quelle" oder "großer Bach" bedeutet. Der Bach selber ist der Auchinderran Burn. Im Hintergrund sieht man die Lagerhäuser, quasi die Rückseite des Brennereigeländes.


Aultmore ist seit dem Jahr 1998 im Eigentum von Bacardi und wichtiger Bestandteil der "Dewar's"-Blends. 


Aultmore 2007-2015, 8 Jahre, 53,9% alc. Abfüller: Whic.de. Ausbau: Sherryfass (Butt) No. 900016. 

Foto: whic.de

Hierbei handelt es sich um ein geteiltes Fass. 172 weitere Flaschen wurden von "Archives" in der Serie "The Fishes of Samoa" mit 67,4% alc. abgefüllt. 

Nase: Jung und fruchtig, viel Karamell. Mit Orangen, Aprikosen und Toffee, Fudge und Butterscotch. Vielleicht sogar Erdbeeren mit Schlagsahne. Vom Holz noch keine Spur, im Hintergrund verweilen florale Aromen, Rosenwasser und Lavendel.

Gaumen: Cremig zur Beginn, dann kommt prickelnde Würze hinzu. Wieder die frischen und saftigen Früchte der Nase, hinzu kommen Milchschokolade, Nougat, Getreide und ganz entfernt eine Spur Tabak.

Abgang: Eher lang, hier nimmt die Würze noch einmal zu, die Eiche kommt zum Vorschein und verweilt prickelnd mit ihren Tanninen. 

Fazit: jung, ehrlich und reifer als das Label aussagt. Schöner sherrybetonter all-day-dram. 85/100 Punkte (2015). Ich danke dem Abfüller Whic für Probe und Foto!


 
 
 
 
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