Wolfburn
Wolfburn liegt am westlichen Rand von Thurso in Caithness, im äußersten Norden des schottischen Festlands, und gehört zur Whiskyregion Highlands. Ihr Name geht auf den Wolf Burn zurück, einen kleinen Bach, dessen Wasser bereits die historische Vorgängerbrennerei nutzte. Diese wurde 1821 von William Smith gegründet und stellte ihren Betrieb im 19. Jahrhundert ein. Der genaue Zeitpunkt der endgültigen Schließung ist nicht eindeutig belegt.
Die heutige Wolfburn Distillery entstand auf Initiative der Unternehmer Andrew Thompson und Harry Tayler, nur wenige hundert Meter vom ursprünglichen Standort entfernt. Nach dem Grundstückskauf im Mai 2012 begannen im August die Bauarbeiten. Der schottische Anlagenbauer Forsyths aus Rothes entwarf und errichtete die Brennerei. Am 25. Januar 2013, der Burns Night, floss erstmals der Rohbrand aus den neuen Brennblasen. Für den Produktionsaufbau war Shane Fraser verantwortlich, der zuvor bei Glenfarclas gearbeitet hatte.
Wolfburn setzt auf eine langsame, weitgehend von Hand gesteuerte Herstellung. Eine lange Fermentation und die schonende zweifache Destillation in einer Wash Still und einer Spirit Still sollen einen weichen, fruchtigen und leicht blumigen Brand ergeben. Neben ungetorftem wird auch leicht getorftes Malz verarbeitet. Die Reifung erfolgt vollständig vor Ort in traditionellen Dunnage Warehouses, niedrigen Lagerhäusern, in denen die Fässer nahe am Boden liegen. Auch die Abfüllung findet auf dem Brennereigelände statt.
Der erste Single Malt erschien im März 2016 und wurde als Northland bekannt. Für die Reifung kamen unter anderem kleine, zuvor auf Islay verwendete Quarter Casks zum Einsatz, die dem Whisky einen dezenten rauchigen Einfluss verliehen. Bourbon- und Sherryfässer prägen weitere Abfüllungen. Mit dem ersten zehnjährigen Single Malt erreichte Wolfburn 2023 einen wichtigen Meilenstein; 2025 folgte ein Zwölfjähriger. Die Brennerei verbindet damit einen historischen Namen mit einer vollständig neu aufgebauten Whiskyproduktion.
Wolfburn 12 Jahre, 46%. Ausbau: Bourbon- sowie Oloroso-Sherry Fässer
Nase: Schon ein etwas speziellerer erster Eindruck. Eine Mischung aus reifen Obstaromen, etwas schmutzigem Rauch und einer leicht floralen Komponente. Anschließend wird der Whisky etwas ruhiger und kann sich sortieren. Karamell in Schokolade, ein wenig Pfirsich, altes Wasser aus einer Blumenvase. Der Pfirsich wird stärker, Aprikosen und Birnen kommen hinzu, etwas brauner Zucker eine zarte Spur Torfrauch.
Gaumen: Erstaunlich leichtes Mundgefühl, ziemlich weich, die Aromen sind zwar sofort da, wirken aber anfangs etwas schüchtern. Eine leichte Fruchtigkeit mit Äpfeln, Birnen und Pfirsich, etwas Karamell und Ahornsirup, einzelne Haselnüsse. Dann kommen Holzwürze und Rauch, mit Pfeffer und einer leichten Schärfe von frisch geriebenem Ingwer, auch die Süße nimmt zu.
Abgang: Mittellang, weich und cremig, Milchschokolade, Malz und Heidekraut, getrocknete Birnen.
Fazit: Hier habe ich echte Schwierigkeiten ein gerechtes Fazit zu ziehen. Einerseits neigt der Wolfburn schnell dazu, dass man seine Qualitäten übersieht und zeigt sich eher als etwas rauer Trinkwhisky, cremig und weich, aber mit einer leicht würzigen Komponente. Der Whisky hat eine gewisse Eleganz, andererseits weiß er aber noch nicht wo er sich hin entwickeln möchte. Mir ist er ein paar Nuancen zu leicht. Ich denke mit noch einmal höherem Alter kommen da richtig komplexe Abfüllungen. 83/100 Punkte (2025)
Wolfburn Northland, 46% alc. Originalabfüllung (2019). Ausbau: Eichenholzfässer (Ex-Islay, Quarter Cask)
Nase: Maritimer Torfrauch, nicht zu stark, trifft auf Haferbrei und Früchtemüsli. Im Müsli finde ich getrocknete Äpfel, frische Himbeeren und getrockente Ananas. Dahinter kommen etwas Minze und Meersalz, die Frucht wird dann frischer. Knackige Sommeräpfel sowie etwas Honigmelone mit angebranntem Bacon.
Gaumen: Mehr Rauch als in der Nase, Mirabellen und Malz, Honigmelone, Rhabarber und leicht unreife Erdbeeren. Außerdem finde ich Karamell, Mandelsplitter und leichten Milchkaffee.
Abgang: Mittellang mit Grapefruit, Karamell und gesalzener Zartbitterschokolade.
Fazit: Jung und knackig mit einer schönen Prise Torfrauch. Der Whisky soll drei oder vier Jahre alt sein, wirkt aber schon deutlich älter und reifer. Schön gemacht. 84/100 Punkte (2022)

