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Tastingnotes & Whiskyblog

Whitehouse 

1823 - 1829, Whitehouse, Speyside.

Die erste legale Brennerei in der Speyside? 

In diesem Beitrag soll es gar nicht so viel um Glenlivet gehen, aber die Behauptungen dieser touristisch auf Hochglanz polierten Brennerei sind eine ziemlich gute Ausgangslage.

Denn der Excise Act von 1823 war die Grundlage zum Entstehen vieler legaler Brennereien bzw. ergab sich für illegale Brennereien die Möglichkeit eines legalen Geschäftes. Glenlivet behauptet gerne von sich, die erste legale Brennerei in der Speyside gewesen zu sein. Na ja, Glenlivet wurde viel später erbaut, aber ja, ihr Gründer George Smith gehörte mit seiner „Drumin Distillery“ oder auch „Upper Drumin“ zu den ersten legalen Brennern in der Speyside. Der Legende nach trug Smith zwei Pistolen zum Schutz gegen Schwarzbrenner. Vielleicht mochte er auch einfach Pistolen, allerdings gab es tatsächlich einige Vorfälle und konkrete Bedrohungsszenarien. Vielleicht versuche ich mal die Bedrohungen gegen George Smith und andere legalisierte Brennereien zu verifizieren. Auch wenn der spätere Erfolg von Glenlivet unbestreitbar ist, er war auf jeden Fall nicht der erste legale Brenner. Die erste legale Brennerei war die Whitehouse Distillery.

Die Whitehouse Distillery

Die Whitehouse Distillery erhielt tatsächlich als erste Brennerei in der Speyside ihre offizielle Lizenz, ihr Bau begann noch 1823 und bereits im März 1824 produzierte sie Whisky. Glenlivet hingegen wurde erst im November 1824 lizensiert. 

Gegründet und erbaut wurde Whitehouse von Peter M’Keron (MacKeron /MacKerron). In meiner Recherche bin ich auf zwei mögliche Theorien zum Standort gestoßen. Eine Idee verortet die Brennerei nördlich von Charlestown of Aberlour, die andere vermutete die Brennerei nahe Dunphail. Beide Theorien lagen falsch, denn ein Zeitungsartikel von 1825 bestätigt nicht nur die Annahme, dass Whitehouse die Lizenz vor Glenlivet erhielt, der Artikel trägt auch die Bezeichnung „Whitehouse, Edinvilly“, womit wir alle anderen Anwesen und Farmen anderer Regionen ausschließen können. Folgen wir von Milltown of Edinvillie dem Lowing Burn (auch Lower Burn), dann finden wir die alte Whitehouse Distillery nur knapp einen Kilometer von der heutigen Brennerei Benrinnes entfernt bzw. zwei Kilometer südlich der Brennerei Glenallachie.

Auf diesen beiden Kartenausschnitten von 1868 sind Farm und Distanz zu Benrinnes gut zu erkennen.

In diesem Ausschnitt sehen wir die registrierten Produktionsmengen von Drumin von George Smith und Whitehouse von Peter M’Kerron in der Saison 1825/1826. Whitehouse produzierte etwas mehr als doppelt so viele Gallonen wie Drumin. „Glenlivat“ von William Grant können wir an dieser Stelle ignorieren, der Name wurde damals von der Aucherachan Distillery geführt und lässt keine Rückschlüsse auf die spätere Glenlivet von Smith zu.


Das Ende der Brennerei

Whitehouse verschwand dann zwischen 1829 und 1830 aus den offiziellen Steuerberichten, soll heißen, die Brennerei wurde aufgegeben. Jetzt kommen uns die Theorien der anderen beiden Standorte zur Hilfe. Denn bisher wurde die Brennerei direkt an einem der großen Flüsse gesucht, man ging davon aus, dass die Brennerei wohl wie sehr viele Gebäude (und manch eine Destille) im August 1829 von den Fluten des „Muckle Spate“ mitgerissen worden. Nach außergewöhnlichen Regenfällen schwollen die Flüsse im Nordosten Schottlands am 3. und 4. August 1829 an, besonders betroffen waren Spey, Findhorn, Divie, Don und Dee, aber auch zahlreiche Nebenflüsse und Bäche. Die nordöstlich von Aberlour verortete Brennerei Dandaleith stürzte teilweise ein. Mehr als 500 Menschen verloren ihre Unterkunft, mindestens 8 Menschen starben.

Der bei Whitehouse verlaufende Lowing Burn speist sich aus Quellen der umliegenden Berge, er fließt danach in den Aberlour Burn / Lour Burn bzw. Burn of Aberlour. Jetzt mag man meinen, dass dieser doch sanft anmutende Bach keine Brennerei zerstört, zumindest im weiteren Verlauf des Aberlour Burn sind Schäden dokumentiert, das Bachbett wurde durch die Flut stark verändert und kurz vor der Mündung in den Spey wurde Charles Cruickshank mitgerissen und ertrank. Der Lowing Burn entstammt wie gesagt dem Benrinnes-Massiv und es gibt zahlreich dokumentierte Schäden, bei denen auch kleinere Bergbäche Mühlen und Farmgebäude mitrissen. Die Brennerei kann also in Folge der Flut aufgegeben werden sein, auch wenn die Gebäude die Katastrophe überlebten. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Lost Distilleries sind die Reste der ersten lizensierten Speyside-Brennerei heute noch erhalten. 

Und ich bin auch nicht der erste der den Standort lokalisierte - diese Bilder stammen von Gregor Haslinger. Die Urheberrechte liegen bei ihm.

Wenn du die ehemalige Brennerei besuchen möchtest - hier geht es zu den Koordinaten 

 
 
 
 
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