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Bladnoch - Die Geschichte

Bladnoch, 1817 bis heute, Bladnoch, Lowlands

1817 - 1900
Bladnoch soll 1817 von John und Thomas McClellan im gleichnamigen Ort am gleichnamigen Fluss gegründet worden sein, um auf ihrer Farm Whisky zu brennen. Bladnoch schreibt ausdrücklich davon, bereits 1817 lizenziert worden zu sein; andere Sekundärquellen nennen 1825. Eine Aufstellung über die schottische Spirituosenproduktion weist im Kontext der erhobenen Steuern im Jahr 1822 „Wigtown, Distiller: Thomas M’Lelland, Bladenoch“ mit 4.344 erzeugten Gallonen Whisky aus. Damit haben wir einen Lizenznachweis und sogar eine Jahresproduktion; 1817 ist plausibel.

Diese Karten zeigen die Brennerei ca. 1848 und 1894 


Im Mai 1852 steht die Brennerei dann plötzlich zum Verkauf an. Die öffentliche Versteigerung soll am 1. September 1852 im Gerichtsgebäude von Wigtown stattfinden. Demnach produziert die etablierte Brennerei seit ungefähr 30 Jahren. Gleichzeitig sollen vier Anteile an der "Galloway Steam Navigation Co." sowie Anteile am Wigtowner Schoner "Margaret Grace" versteigert werden. Auch der Viehbestand und die Geräte der Farm "Torhousekie" werden gesondert zum Verkauf angeboten. Weitere Auskünfte erteilen "Thomas und Andrew M’Clelland" bei der Brennerei, "George M’Clelland sowie der Wigtowner Rechtsvertreter "George C. Black", bei dem die Versteigerungsbedingungen eingesehen werden können. Zwar werden die Brennerei einerseits und der Schoner sowie die Farm andererseits durch einen Absatz getrennt, als Ansprechpartner werden jedoch die Eigentümer der Bladnoch Distillery genannt. Die besagte Farm ist 3,5 Meilen von der Brennerei entfernt. Aktuell kann ich noch keine Eigentumsverhältnisse der Farm nachweisen. Jedoch erfahren wir aus einer Quelle aus dem Jahr 1874, dass Bladnoch der Farm Dünger geliefert hatte und ein Pächter nach Ende des Pachtvertrages die Farm und das dort gebundene Kapital lieber zurückließ, als einen neuen, um 50 % verteuerten Pachtvertrag abzuschließen.

Aus dem späteren Bericht Alfred Barnards um 1886 wissen wir jedoch, dass bei der Versteigerung der Brennerei wohl kein Käufer den Zuschlag erhielt. Seiner Aussage nach betrieb ein Neffe des Gründers die Brennerei Bladnoch weiter. Zu Barnards Bericht dann später mehr. Zudem finde ich die T. & A. M’Clelland & Co. öffentlich als Eigentümer der Bladnoch Distillery.

Am 22. Februar 1855 kam es zu einem Unfall in der Brennerei. Ein junger Mann namens Hugh Thomson verunglückte dort tödlich am laufenden Wasserrad. Laut Bericht hatte er sich an einem Feuer gewärmt, das nahe dem Rad angelegt worden war, um das Wasser vor dem Gefrieren zu schützen. Beim Aufstehen rutschte er aus, geriet mit dem Kopf an das Rad und wurde hineingezogen.

In den Folgejahren finde ich mehrere Hinweise zum Absatzmarkt; Bladnoch wurde vor allem nach Liverpool verschifft.

Am frühen Morgen des 5. Juli 1878 brach im Gebäude mit dem Spirit Receiver der Bladnoch Distillery ein Feuer aus. Das Dach stürzte ein, und der Gebäudeteil brannte vollständig aus. Helfer löschten den Brand innerhalb von anderthalb Stunden und verhinderten, dass er auf die benachbarten Gebäude übergriff. Der Schaden wurde auf etwa £150 geschätzt; die Ursache blieb ungeklärt.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1883 traf ein schwerer Sturm den Südwesten Schottlands. An der Bladnoch Distillery wurde der Schornstein umgeweht. In Galloway deckte der Sturm Dächer ab, entwurzelte Bäume und blockierte Straßen. Vor Loch Ryan zerschellte zudem die Bark Liverpool; 19 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Auf seiner Whiskyreise besuchte Alfred Barnard die Brennerei, vermutlich 1886, da der Bericht in seinem Buch am Ende seiner Reisen steht. Folgender Text stammt von ihm und ist von mir mittels KI nah am Original übersetzt:

„Wir nahmen vom Hotel aus eine Kutsche und fuhren nach Bladnoch, etwa eine Meile hinter den Außenbezirken. Die Brennerei liegt am Anfang des Dorfes, dessen Namen sie trägt, und am Ufer des Flusses Bladnoch, der hier ein stattlicher Wasserlauf ist. Die Anlage besteht aus einem quadratischen Gebäudekomplex um einen Hof. Sie wurde im Jahr 1817 von John und Thomas McClelland gegründet, dem Vater und dem Onkel des heutigen Eigentümers.

1878 wurde die Brennerei erweitert und modernisiert. Sie nimmt nun zwei Acres Grundfläche ein; weitere 50 Acres sind angeschlossen und werden vom Eigentümer landwirtschaftlich bewirtschaftet. Das im Betrieb verwendete Wasser kommt aus einem Mühlenteich, der vom Oberlauf des Flusses gespeist wird. Ein oberschlächtiges Wasserrad liefert die gesamte Antriebskraft.Zuerst besichtigten wir das Mälzhaus, größtenteils ein Steingebäude von 118 Fuß Länge und 28 Fuß Breite, mit Schieferdach und rot gestrichenem Holzwerk. Es hat drei Stockwerke: das Erdgeschoss zum Mälzen und die oberen Stockwerke für Gerste; jedes verfügt über eine steinerne Weichvorrichtung. Daneben gibt es zwei weitere, ähnlich eingerichtete Gebäude von jeweils 95 mal 32 Fuß. An der rechten und linken Ecke des Hofes stehen Darren. Beide werden mit Hebevorrichtungen beschickt, haben Böden aus gelochten Eisenplatten und werden mit Torf beheizt. Im obersten Stockwerk des dazwischenliegenden Gebäudes befindet sich ein geräumiges Malzlager auf gleicher Höhe wie die Darren; darunter liegen die Mühle und der Raum für das geschrotete Malz. Zurück auf dem Hof besichtigten wir als Nächstes das Maischhaus, ein gut beleuchtetes Gebäude von 40 Fuß im Quadrat. Darin stehen zwei Heizkessel mit einem gemeinsamen Fassungsvermögen von 5.700 Gallonen sowie ein Maischbottich von 16 Fuß Durchmesser und 5½ Fuß Tiefe mit Rührwerk. In das Bett des Wasserlaufs eingelassen ist der Underback, ein Auffangbehälter mit 3.000 Gallonen Fassungsvermögen. Diese Anordnung gilt als günstig für die Kühlung der Würze. Über einige Stufen vom Hof aus erreichten wir das Gärhaus. Dort stehen an der Wand sechs Gärbottiche: zwei fassen je 6.000 Gallonen und vier je 3.500 Gallonen. Hinzu kommen ein Kühler von Miller und ein Würzevorlagebehälter mit 3.500 Gallonen Fassungsvermögen, in den die Würze mittels einer Kreiselpumpe befördert wird.

Unserem Führer folgend kamen wir zum Brennhaus, dem ältesten Teil der Anlage. Es enthält drei alte Brennblasen: eine Wash Still mit 13.000 Gallonen Fassungsvermögen und zwei Low-wines Stills mit jeweils 400 Gallonen. Danach gingen wir in den Auffangraum. Dort befinden sich drei Auffangbehälter für Low Wines und Nachläufe, der verschließbare Spirituosenschrank (Spirit Safe) und ein Spirituosenauffangbehälter mit 400 Gallonen Fassungsvermögen. Draußen stehen drei vom Fluss gespeiste Kühlschlangenbottiche. Daneben befinden sich ein Spirituosenlager mit einem Bottich für 530 Gallonen sowie die Büros der Steuerbehörde und der Brennerei. Um einen zweiten Hof gruppieren sich vier Steuerlager. Darin lagern 805 Fässer mit insgesamt 80.700 Gallonen. Der Torfschuppen ist ein recht ansehnlicher Bau mit Eisensäulen und Schieferdach. Im Haupthof befinden sich eine kleine Küferei und ein Fassschuppen. Hergestellt wird ausschließlich Malt Whisky; die Jahresproduktion beträgt 51.000 Gallonen."

Die von Barnard beschriebenen Erneuerungen und Erweiterungen ab 1878 sind wohl eine Folge des Feuers gewesen. Wiederaufbau des zerstörten Gebäudes und die in diesem Zuge erfolgten Modernisierungen und Erweisungen zeugen zudem von einer wirtschaftlich positiven Stimmung. Leider gibt es keine Zeichnungen aus dem Jahr 1886.

Am 14. Dezember 1894 erscheint im „Northern Scot and Moral & Nairn Express“ eine Meldung darüber, dass ein Mr. James Smith aus Cragganmore, Sohn des verstorbenen John Smith, gemeinsam mit einer Londoner Firma den Bau einer Brennerei in der Speyside plant. Dieser John Smith war eine Zeit lang Leiter von Bladnoch, vorher hat er das Büro seines Vaters in Cragganmore geleitet, zudem hat er den Wiederaufbau von Glendarroch (Glenfyne / Glengilp) beaufsichtigt. Bisher ist mir nur William Smith untergekommen, Sohn des Cragganmore-Gründers John Smith. Der Spur gehe ich vielleicht ein anderes Mal noch nach.


Bladnoch ab 1900

Leider findet sich um die Jahrhundertwende recht wenig Information zu Bladnoch, ausbleibende Zeitungsartikel müssen jetzt nichts heißen, belegen aber auch keine Produktion. Der Pattison-Crash 1898 hat die Branche in eine schwere Krise gezogen, viele Brennereien agierten vorsichtig am Markt, wenn sie nicht selber ins schwere finanzielle Probleme kamen. Im Jahr 1900 muss bei Bladnoch noch Whisky produziert worden sein, denn März 1906 finde ich eine Anzeige zum Verkauf eines Whiskyfasses aus genau diesem Jahr.

Aktuell gehe ich davon aus, dass die Produktion krisenbedingt deutlich reduziert wurde, im Jahr 1905 wurde Bladnoch dann wohl in Gänze stillgelegt. Folgendes Foto zeigt daher leider eine stillgelegte Brennerei 1907. 

Licensed by St Andrews University Library (Records of the Scottish Cultural Resources Access Network (SCRAN), Edinburgh, Scotland)

Im Frühjahr 1911 wurde aus der Gesellschaft eine Limited, die Umstrukturierung sollte wohl den Verkauf der Brennerei vorbereiten, denn spätestens im Oktober 1911 ging die Brennerei und die Hände ihrer neuen Eigentümer aus Belfast, der Wm Dunville & Co.

Spätestens im Oktober 1912, pünktlich zur anstehenden Saison, begann die Brennerei wieder mit ihrer Produktion, zumindest suchte sie aktiv nach einem „Stillman“. Ich vermute, dass die Produktion dann spätestens zum Herbst 1916 kriegsbedingt wieder ruhte. Im Frühjahr 1917 stellten sich die Landwirte der Region die Frage, woher sie ihr Saatgut erhalten sollen, denn bisher lieferte die Bladnoch Distillery ihnen Saatgut, nachdem sie den Landwirten die Gerste zur Whiskyproduktion abkaufte. Allerdings benötigt die Brennerei aktuell zur Auslieferung von Saatgut auf Grund der Anordnung zur Beschlagnahme von Gerste erste eine Genehmigung des „Food Controller“.

Wir erinnern uns, dass die Ernte des Sommers 1916 deutlich unter den Erwartungen lag, Alkohol wurde wenn dann überwiegend zur kriegsbedingten Verwendung hergestellt, bevor die Produktion gänzlich eingestellt werden musste.

Im Januar 1920 sucht die Brennerei wieder einen Stillman, was für eine kürzlich erfolgte oder bevorstehende Wiederinbetriebnahme spricht. Im Oktober sucht die Brennerei einen Böttcher sowie einen Tun-Room-Man via Zeitungsannonce.

Es gibt Hinweise darauf, dass Bladnoch zeitweise nicht produzierte, allerdings finde ich dazu keine Belege. Im Wine and Spirits Record findet sich eine Brennereibeschreibung vom 14. Januar 1926, heute im Reprint „The Distilleries of Great Britain and Ireland“ nachzulesen.

Der Text nennt als Gründer Thomas McClelland und Andrew McClelland, ein John McClelland fehlt indes. Datiert wird die Brennerei auf eine Gründung vor 108 Jahren, was 1818 ergeben würde, 1817 ist weiterhin plausibel, immerhin entstand der Bericht im Januar 1926.

Die Gebäude werden als bauten aus massivem Steinmauerwerk beschrieben, das Grundstück wurde wohl wegen der guten Anbindung an Wasse rund wegen der ausgezeichenten Versorgungslage mit Gerste ausgewählt. Die Mälzerei besteht aus drei Stockwerken, im Erdgeschoss der Malzboden und in den Geschossen darüber die Gerstenlager. Bladnoch verfügt zu dieser Zeit über sechs Washbacks und drei Brennblasen, vier Lagerhäuser haben Platz für „viele tausend“ Fässer. Auffällig sei die Wasserturbine, die bereits 1912 installiert wurde und das alte Mühlrad ersetzte. Zudem bestätigt der Artikel die Eigentumsverhältnisse, Bladoch ist 1926 im Besitz der Belfaster Firma Dunville, die Bladnoch als Tochterfirma unter dem Namen T. and A. McClelland, Ltd. führt. Auch eine Marke von Bladnoch findet Erwähnung, nämlich der H.M.S.-Whisky.

Und richtig gut sind die Fotografien des Berichtes, drei davon möchte ich mit euch teilen. Alle Bilder sind hier erschienen: The Distilleries of Great Britain and Ireland, die Originale liegen in der British Library.


Irgendwann nach 1926 wurde Bladnoch erneut stillgelegt. Anfang Januar 1937 wurde eine Wiederaufnahme unter Leitung einer nicht genannten Glasgower Firma angekündigt. Bestellte Gerste befand sich bereits im Zulauf, der Produktionsbeginn stand unmittelbar bevor. Einen Monat später wird das Unternehmen Bladnoch Distillery Co an der 212 West George Street in Glasgow registriert, mit dem Zweck die Brennerei zu übernehmen.

Im Mai 1937 verunglückte der Schornsteinfeger William Barrie, der bei der Arbeit am Schornstein der Bladnoch Distillery abstürzte.

Aus einer Polizeimeldung im Mai 1939 erfährt man den Namen des aktuellen Distillery Managers, John Watson. Ihm wurde Trunkenheit am Steuer einen Kraftfahrzeuges vorgeworfen.

Der Bladnoch-Fall: Verkauf und Übergewinnsteuer

Während des Zweiten Weltkriegs war die Whiskyproduktion stark eingeschränkt. Vorhandene Bestände stiegen deshalb erheblich im Wert. Bladnoch verkaufte Whisky weiterhin vergleichsweise günstig an langjährige Kunden, während auf dem Maklermarkt deutlich höhere Preise erzielt werden konnten.

Am 25. November 1941 verkauften die bisherigen Aktionäre sämtliche 7.500 Aktien der Bladnoch Distillery Co., Ltd. für 210.000 £. Nach dem Bericht des Dundee Courier vom 28. November 1945 gingen die Aktien zunächst an William Hogg, dann an Sir Hector Macneal und schließlich an James Donald Stewart. Anschließend wurde auch der Whiskybestand der Gesellschaft verkauft und über weitere Beteiligte gehandelt. Das Datum belegt einen Wechsel der Kontrolle über die Gesellschaft; die Zeitung beschreibt keinen gesonderten Verkauf der Brennereigebäude. Der Streit drehte sich darum, wer auf den Wertzuwachs des Whiskys Übergewinnsteuer zahlen musste. Nach Darstellung der Steuerbehörde erlaubte die Abfolge aus Aktienkauf und Weiterverkauf der Bestände, hohe Marktgewinne zu erzielen, ohne dass die volle Steuer bei der Brennereigesellschaft anfiel. Der Finance Act von 1943 schuf rückwirkend eine Grundlage, die Steuer auch von Personen zu fordern, die aus solchen Geschäften finanziell profitiert hatten. Das House of Lords beschrieb dieses Vorgehen später als Kern der untersuchten Geschäfte. Im November 1945 verhandelte der Court of Session die Bladnoch-Berufung. Die gesonderte Forderung von 1.250 £ gegen David Lannon wurde fallengelassen, weil eine behauptete Zahlung für die Vermittlung eines Kontakts nicht belegt war. Das schottische Gericht entschied im Hauptstreit zugunsten der Steuerpflichtigen. Die Steuerbehörde ging daraufhin zum House of Lords.

Am 12. März 1948 hatte die Berufung der Steuerbehörde Erfolg. Ein Bericht des Aberdeen Press and Journal vom 13. März sagt zugleich, dass die Sache zur Bestimmung einer angemessenen Verteilung der Steuerforderung an die Steuerkommissare zurückging. Damit stand 1948 die grundsätzliche Steuerpflicht zur Entscheidung; der endgültige Betrag für die einzelnen früheren Bladnoch-Aktionäre ergab sich aus diesem Bericht noch nicht.

Während des zweiten Weltkrieges wird die Brennerei eine Zeit lang nicht produziert haben, die Wirren um die Verkäufe der Anteile und die anschließenden Untersuchungen und Gerichtsverfahren machen eine Produktion auch eher unwahrscheinlich. Am 1. November 1952 heißt es im Galloway Gazette: 

„Ein Relikt verschwindet
Ein Relikt aus den Tagen, als die Bladnoch Distillery noch in Betrieb war, ist kürzlich entfernt worden: eine Glocke, die früher im Hauptgebäude hing. Sie wurde geläutet, um die Mittagspause und das Ende des Arbeitstags anzuzeigen. Als Umbauten an den Gebäuden ihre Entfernung nötig machten, hängte man sie in einen der beiden Bäume nahe der Brennerei. Nun wurden die Bäume gefällt, und die Glocke hat ihren Platz verloren."

Übergangsweise muss ein Landwirt Teile der Brennerei genutzt haben, 1956 findet sich ein Bericht über die produzierten Eier aus der ehemaligen Bladnoch Distillery. Anfang 1957 gibt es Hinweise auf einen neuen Eigentümer, und tatsächlich, ich finde ihn.

Demnach wurde Bladnoch bereits 1939 stillgelegt und 1956 von A.B. Grant erworben, die neu gegründete Gesellschaft trug den Namen Bladnoch Proprietors Ltd., ich vermute als Tochterfirma der A. B. Grant and Co. Ltd.

Robert Cassie war 1957 der Distillery Manager. Zudem waren kräftigte Investitionen nötig, die Geschichte mit der Nutzung der Brennerei als Hühnerstall bestätigt sich. Die Kosten der Investitionen sollten £ 100.000 betragen, zukünftig wurden 4.000 Gallonen die Woche erwartet. Die Eröffnung stand 1957 unmittelbar bevor. Auch wenn die alten Gebäude weiter genutzt wurden, wurde die Brennerei doch weitgehend erneuert. Verantwortliches Bauunternehmen war die Alexander Dey Ltd. aus Huntly.

Im November 1964 wird Bladnoch als eine der modernsten Brennereien Schottlands beschrieben - und für £ 500.000 an Ian B. Fisher, Geschäftsführer der M‘Gown and Cameron, Ltd., verkauft. Die Jahresproduktion lag zu diesem Zeitpunkt bei 300.000 Gallonen. Spannend ist übrigens, dass das Gründungsdatum nach Barnards Bericht nicht mehr auf 1817 sondern auf 1818 datiert wird. So auch hier während des Verkaufes.

1966 wird dann John Simpson der Distillery Manager und bringt einiges an Erfahrung mit. 23 Jahre lang war er bei Glenrothes-Glenlivet und anschließend 10 Jahre bei Macallan-Glenlivet tätig. Schön das mal wieder so zu lesen. Der neue Eigentümer nutzt dann den Namen „Bladnoch Distllery Ltd“, so finde ich 1970 einige Werbeanzeigen.

1973 wechselt die Brennerei abermals den Eigentümer, Inver House übernimmt Bladnoch mitten in einer Hochphase der Whiskyindustrie.

Am 28. November 1978 landet Flug JL446 aus Kopenhagen planmäßig für einen Zwischenstopp in Moskau, das eigentliche Ziel lautete Tokio-Haneda. Unmittelbar nach dem Start in Richtung Japan verlor die Douglas-DC-8-62 abrupt an Höhe und stürzte 150 Meter vom Ende der Startbahn entfernt in ein Feld. Von den 76 Insassen an Board starben 62. Einer von ihnen war der 45-jährige Ian Asher, Exportleiter der Bladnoch Distillery, er war geschäftlich auf dem Weg nach Japan.

Nach dem Höhenflug folgt der Absturz, im Kontext des Flugunfalls ist diese Phrase schwierig, aber viele Brennereien schlitterten gegen 1980 in eine schwere Krise, etliche berühmte Namen verschwanden für immer.

Inver House legte Bladnoch 1981 still und veräußerte sie Anfang 1983 an Arthur Bell & Sons Ltd. Ein Artikel im Dundee Courier kündigt anschließend 13 Arbeitsplätze an, sobald der Betrieb wieder aufgenommen wird. Es folgte wohl eine Modernisierung, den genauen Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme kann ich nicht bestimmen. 1986 verkauft das Unternehmen Brennereirückstände als Viehfutter - und produziert damit auf jeden Fall wieder.

Gleichzeitig wandert Bladnoch weiter, denn Arthur Bell & Sons wird 1985 von Guinness erworben, 1986 kommt auch die Distillers Company Ltd. (DCL) zu Guinness, 1987 werden die Whiskygeschäfte zu United Distillers zusammengelegt. Zu Diageo schafft es Bladnoch dann aber nicht mehr, zum Jahreswechsel 1992/1993 werden die Schließungspläne veröffentlicht. Trotz kommunalpolitischer Versuche des Erhaltes der Brennerei werden die Pläne anschließend im Juni 1993 umgesetzt.

Whisky war nun bereits kein Trinksport mehr, sondern bei vielen Genießern auch echte Leidenschaft. Zudem entdeckten Liebhaber und Sammler auch immer häufiger ältere Flaschen, so wird für die Auktion bei Christie`s in Glasgow eine Versteigerung älterer Abfüllungen angeboten. Neben einem Strahmill von 1910 soll auch ein „Fine Old HMS“ der Bladnoch Distillery unter den Hammer kommen. Der erwartete Zuschlag lag bei 1500 bis 2000 Pfund. Der Jahrgang: 1870!

Bereits im August 1994 erwarben die Armstrongs aus Nordirland die Brennerei, jedoch nicht mit dem Ziel eine Brennerei zu betreiben. Im Januar 1995 beantragen sie die Genehmigung zum Betrieb eines Campingplatzes bzw. Wohnwagenparkplatzes. Teile der Gebäude sollten zu Appartements umgebaut werden. Die Eigentümer erkannten jedoch mit der Zeit das Potenzial der Brennerei und entschieden sich für die Wiederinbetriebnahme, im November 2000 startete die Produktion mit zwei aus früheren Stills zusammengebauten Brennblasen.

Raymond und Colin waren sich über die Zukunft von Bladnoch uneinig, die geteilte Eigentümerschaft blockierte in diesem Streit sämtliche Entscheidungen, besonders kritisch war dies in Bezug auf notwenige Instandhaltungsmaßnahmen. 2009 wurde Bladnoch abermals stillgelegt, das Gelände aber noch bewirtschaftet. Colin erreichte im März 2014 via Gericht ein Verkaufsverfahren und 2015 übernahm der heutige Eigentümer: David Prior.

Nun haben wir einige Höhen und Tiefen der Brennerei erlebt, es gab glückliche und glücklose Zeiten. David Prior war ein Glücksfall, denn der australische Geschäftsmann brachte auch das nötige Kapital für die dringend nötigen Instandsetzungsmaßnahmen mit. Dabei führte ihn ein Umweg zu Bladnoch, denn seine eigentliche Absicht war der Neubau einer Whiskybrennerei in Fife. Dem auserwählten Grundstück für seine Brennerei fehlte es jedoch am kontinuierlichen Zugang zu Wasser, weshalb er die Pläne verwarf und über diesen Umweg Bladnoch erwarb.





 
 
 
 
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