notesofmalt.com
Tastingnotes & Whiskyblog

Kilchoman 

Die Kilchoman Distillery liegt auf der Rockside Farm nahe der Machir Bay im Westen der Insel Islay und gehört zur gleichnamigen Whiskyregion. Gegründet wurde sie von Anthony Wills und seiner Frau Kathy. Die Bauarbeiten begannen Ende 2004, die Eröffnung folgte 2005. Damit war Kilchoman die erste neu errichtete Brennerei auf Islay seit 124 Jahren. Nach technischen Schwierigkeiten während der Inbetriebnahme wurde am 14. Dezember 2005 das erste Fass gefüllt. Der erste Single Malt, der Inaugural Release, erschien im September 2009.

Die Gründer wollten die Tradition der schottischen Farmbrennereien wiederbeleben. Für die Reihe 100% Islay wird die Gerste auf den eigenen Feldern angebaut, auf traditionellen Malzböden von Hand gewendet und anschließend über Islay-Torf gedarrt. Auch Destillation, Reifung und Abfüllung erfolgen vor Ort. Daneben verarbeitet Kilchoman zugekauftes Malz aus den Port Ellen Maltings. Während das eigene Malz auf ungefähr 20 ppm Phenolgehalt getorft wird, liegt das zugekaufte Malz bei rund 50 ppm. Diese Angaben beziehen sich auf das Malz und nicht auf den fertigen Whisky.

Nach einer Gärzeit von etwa 90 Stunden wird langsam und zweifach destilliert. Die kleinen kupfernen Brennblasen sollen einen Brand erzeugen, der kräftigen Torfrauch mit fruchtigen und floralen Noten verbindet. Die Reifung erfolgt vor allem in Bourbon- und Sherryfässern, ergänzt durch verschiedene Wein- und andere Spezialfässer. Whiskyberater Dr. Jim Swan unterstützte Anthony Wills bei der Entwicklung des Brennereicharakters.

2015 kaufte Kilchoman die zuvor gepachtete Rockside Farm. Neue Malzböden und eine größere Darre folgten 2018; 2019 wurde die Produktion um ein zweites Brennblasenpaar, einen weiteren Maischbottich und zusätzliche Gärbottiche erweitert. Zu den bekannten Abfüllungen gehören Machir Bay, erstmals 2012 erschienen, der stärker von Sherryfässern geprägte Sanaig sowie die seit 2011 veröffentlichte Reihe 100% Islay.


Aktuelle Beiträge

Kilchoman 18 Jahre, Family Collection 1st Edition. 50%. Bourbon Matured

Nase: Im ersten Eindruck elegante Süße und milder Torfrauch. Muschelkalk, flambierte Birne, Vanille und Aprikosen. Dahinter kommen Limette, Bergamotte und Honig auf. Der milde Rauch kommt immer wieder hervor und wird anschließend von sanften Fruchtaromen in den Hintergrund geschoben.

Gaumen: Weich und cremig, leicht ölig. Meersalzbutter, Fudge und Malz. Dazu Butterkuchen und etwas Birne, ein wenig Vanille. Nichts drängt sich hier besonders auf, alle Aromen sind harmonisch miteinander im Einklang.

Abgang: Lang, aus dem buttrigen Mundgefühl wird eine cremige Süße mit anhaltender Rauchnote. Flambierte Birne, gegrillte Ananas, Aprikosengelee. Dazu auch hier wieder etwas Muschelkalk, Zitronenschale und Meersalz.

Fazit: Von der Kraft jüngerer Kilchoman ist bei diesem 18-Jährigen kaum noch etwas zu erkennen. Stattdessen haben wir hier eleganten und absolut harmonischen Whisky, der für manche Islay-Trinker fast schon etwas langweilig wirken könnte. Ich finde ihn genial. 88/100 Punkte (2026)


Kilchoman 20 Jahre, Familiy Collection 1st Edition, 49,9%. Bourbon Matured.

Nase: Im ersten Eindruck Holzasche und Sojasauce, anschließend kommt eine angenehm fruchtige Süße auf. Sternfrucht, Birnen, Orangen und Zitrone, dazu ein Hauch von verschiedenen Kräutern. Dann kommt der Rauch wieder, abwechselnd eher maritim mit Jod und Salz, dann auch wieder als glühende Holzkohle.

Gaumen: Weich und cremig, vollmundig, der Torfrauch baut sich langsam auf und wird kräftiger. Etwas Jod, Meersalz und Menthol, dazu Tabak, Birnen, Mango, Quittengelee und Zitronen.

Abgang: Eher lang und ganz kurz auch mit kräftiger Bitterkeit, bevor die Mischung aus Frucht- und Torfraucharomen langsam ausklingt.

Fazit: Ein richtig guter Kilchoman, wobei dieser 20-Jährige im Vergleich zur 18-jährigen Abfüllung der Serie tatsächlich eher jünger wirkt. Dennoch eine ziemlich starke Abfüllung. 87/100 Punkte (2026)


Frühere Beiträge

Kilchoman 10th Anniversary Release, 2015 abgefüllt, 58,2% alc. Originalabfüllungen. Ausbau: Bourbon- und Sherryfässer

Hintergrundbild Whiskybase Shop

Nase: Gar nicht so kräftig wie ich es erwartet habe. Zuerst rieche ich etwas Verbandszeug und Jod, dahinter kalte Asche und Holzbackofen. Es folgen frisch gebackenes Krustenbrot, etwas Kümmel, Vanillepudding und ganz entfernt rieche ich das Meer.

Gaumen: Ziemlich pfefferig und scharf. Bunter Pfeffer, frisch geschälter Ingwer, dazu einiges an Rauch und der Anklang von milden Zitrusfrüchten, verbranntes Karamell und irgendwie auch gegrillter Spargel.

Abgang: Mittellang und leider klar alkoholisch, hier kommt das Verbandszeug wieder, Desinfektionsmittel und Pfeffer.

Fazit: Für Kilchoman-Verhältnisse eine recht einfache Abfüllung, wenn auch keine schlechte. Allerdings wirkt der Alkohol nicht sonderlich gut eingebunden. 82/100 Punkte (2022)


Kilchoman Loch Gorm, 2010-2015, 3rd Edition, 46% alc. Ausbau: Sherryfässer

Hintergrundbild Alba Import

Nase: Schwerer Torfrauch. Altes Öl, Werkstatt, Salpeter, brennende Paletten, wird dann aber recht schnell milder im Verlauf. Eher Zigarrenrauch und Tabak, etwas Meersalz, zudem kommen Fruchtaromen auf. Orangen, Mandarinen, Zitronenabrieb, Sultaninen und etwas Milchschokolade.

Gaumen: Recht cremig aber aromatisch startet der Kilchoman genauso intensiv wie in der Nase. Asche und Ruß neben angebranntem Fisch. Auch hier wieder Blutorangen und Mandarinen, etwas Eichenholz und Pfeffer. Leicht bittere Orangenmarmelade, Estragon und Kümmel, gebratener Speck.

Abgang: Lang und mit viel Holzasche, hier wirkt der Whisky nun etwas sanfter. Nur eine Pfeffernote versucht zusammen mit Ingwer etwas aus dem Profil zu brechen.

Fazit: Jung und richtig stark. Ein wunderbarer Islay-Malt, komplex und etwas dreckig. Bärenstark. 88/100 Punkte (2022).


Kilchoman Machir Bay, 46% alc. Originalabfüllung (2021). Ausbau: Bourbon- und Sherryfässer. Malz mit 50ppm getorft.

Nase: Viel Torfrauch, süßlich und mit viel Vanille sowie Zitrusfrüchten. Es folgen Fudge und Karamell, danach weicht die Süße und der Rauch kommt zurück, diesmal deutlich medizinischer, aber auch etwas frische Kaminasche ist dabei.

Gaumen: Starker Antritt, Süße gepaart mit viel Rauch, die Zitrusfrüchte nur noch im Hintergrund. Dafür Malz, Honig und Asche, etwas Karamell und minimal Ahornsirup. Marzipan in Torfrauch.

Abgang: Lang, rauchig und weiterhin süß. Blutorangen, Grapefruit, verbranntes Karamell und Asche.

Fazit: Jung und ungestüm, ein schöner Islay-Malt mit einer wunderbaren Mischung aus Süße und Rauch. Gut gemacht. 84/100 Punkte (2021)


Kilchoman Machir Bay, European Tour 2014, 59,2% alc. Originalabfüllung. Ausbau: Bourbonfässer sowie Oloroso-Sherryfässer

Hintergrundbild Alba Import

Nase: Jod, Torf und Reifenabrieb, eine angenehme Portion Gummi und Plastik im ersten Eindruck. Dazu ein künstliches Zitronenaroma, ein wenig wie ein billiger Lufterfrischer fürs Auto. Die Zitrusfrüchte werden schnell stärker, Limette gesellt sich dazu, außerdem zarte Küchenkräuter und ein Hauch Ingwer. Die chemisch/künstlichen Aromen finde ich nun gar nicht mehr wieder, vielleicht braucht der Kilchoman einfach nur ein wenig Luft.

Gaumen: Sehr süß und kräftig rauchig. Erst einmal viel Aprikose, Mirabelle und ganz leicht Mango, dazu dann wieder etwas Zitronensaft und kräftige Schokolade. Hier finde ich nun auch das erste Mal einen maritimen Anklang, etwas Meersalz und leicht mineralische Aromen. Zudem erkalteter Pfefferminztee.

Abgang: Lang, sehr lang und wärmend. Die Süße bleibt und dazu entwickelt er neben dem Torfrauch auch eine schöne Gewürzkomponente. Ingwer, Steak-Pfeffer, Muskat und Zimt.

Fazit: Auch hier wieder ein herrlicher Kilchoman, diesmal aber relativ sauber und fein mit dem Fokus auf Zitrusfrüchte und eine angenehme Süße. Der Torfrauch ist schon kräftig, dominiert diesen Whisky aber nicht. 86/100 Punkte (2022)


Kilchoman Sanaig 46% alc. Originalabfüllung. Ausbau: Bourbon- und Sherryfässer

Nase: Der Torfrauch erinnert an glühende Nadelhölzer, jedoch ohne aufdringlich zu wirken. Dahinter kommen wirklich angenehme Fruchtaromen auf, darunter Birnen und Pfirsiche. Frisch aufgeschnittene Vanille und Himbeermarmelade ergänzen.

Gaumen: Torfrauch und Zitronenspalten, Grapefruit und Karamell, etwas Räucheraal.

Abgang: Mittellang, angenehme Süße, ein Hauch von Gewürzen und Torfrauch.

Fazit: Ausgewogen - die Sherryfässer haben einiges an Fruchtaromen gebracht - erstaunlich für 4 bis 5-jährige Whiskys. 87/100 Punkte (2016) Ich danke dem Importeur für Probe und Foto!

 
 
 
 
E-Mail
Instagram